Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr Hiddenhausen Schweicheln-Bermbeck
Hiddenhausen. Wohnungsbrand, Verkehrsunfall oder Tierrettung: Die Einsatzkräfte der Feuerwehr wissen nie, was sie als nächstes erwartet. Das macht ihren Beruf besonders und manchmal auch ganz schön gefährlich. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Hiddenhausen Schweicheln-Bermbeck bekamen am Wochenende (13.06./14.06.2026) einen Einblick in den Einsatzalltag einer Berufsfeuerwehr. Jugendwart Dustin Diekmann und sein Betreuerteam hatten das Gerätehaus an der Bahnhofstraße dazu in eine hauptamtliche Feuerwache verwandelt. Über 24 Stunden hinweg jagte ein „Einsatz“ den anderen, sodass der „Jugendfeuerwehrlöschzug“ nicht zur Ruhe kam. Dabei handelte es sich natürlich nur um Übungsszenarien.
Am Samstagvormittag ist die „Wachabteilung“ der Jugendfeuerwehr vor der Fahrzeughalle angetreten. 16 Jungen und vier Mädchen sind beim diesjährigen Berufsfeuerwehrtag mit von der Partie. Noch ahnen die Nachwuchsfeuerwehrleute nicht, was sie während ihrer „Arbeitsschicht“ erwartet. Nur so viel verrät Dustin Diekmann: „Langweilig wird es nicht werden!“ Jetzt steht erst einmal die Einteilung der Mannschaft auf dem Programm. Die Plätze auf den Einsatzfahrzeugen sind mit bestimmten Aufgaben verbunden, erklärt Romi (13), die gemeinsam mit Lucian (10) den Wassertrupp bildet.
Die „Wachmannschaft“ ist zur 24-Stundenschicht angetreten.
Jugendwart Dustin Diekmann (Mitte) mit seinen beiden Stellvertretern, Manuel Frei (l) u. Lukas Beckmann (r).
Um punkt 12 Uhr ist es vorbei mit der Ruhe. Der Alarmgong dröhnt durch die „Wache“: „Einsatz für das Hilfeleistungslöschfahrzeug“, sagt „Leitstellendisponent“ Lukas Heinsch per Lautsprecherdurchsage. Es geht zu einem Wohnhaus an der Heinestraße, wo der Heimrauchmelder ausgelöst hat – ein Fehlalarm, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Dann geht es Schlag auf Schlag. Die Mannschaft des Löschgruppenfahrzeugs 10 löscht an der Falkendieker Straße einen brennenden Abfallbehälter. Zeitgleich wird die Feuerwehr auf dem Gelände eines örtlichen Tiefbauunternehmens gebraucht, wo Sandmassen einen Arbeiter unter sich begraben haben. Die Besatzung des Hilfeleistungslöschfahrzeugs für den Katastrophenschutz befreit den Mann, dargestellt von einer Puppe, mit Hacken und Schaufeln. Zurück am Gerätehaus bringen die Nachwuchsfeuerwehrleute ihre verschmutzte Einsatzkleidung auf Vordermann. Anschließend läutet der Gong zum Mittagessen. Die Mannschaft stärkt sich mit Hotdogs und Getränken.
(v.l.) Zoe H., Robert, Tim u. Zoe S., haben einen verschütteten Arbeiter befreit.
Mehrere Jugendfeuerwehr-Trupps dämmen einen Flächenbrand am Bünder Fußweg ein.
An einen anschließenden Mittagsschlaf ist allerdings nicht zu denken. Gegen 14 Uhr meldet ein „Spaziergänger“, dass die Wiese unterhalb des Bünder Fußwegs in Flammen stehe. Vor Ort zünden die Betreuer mehrere Rauchbomben, um den Brand zu simulieren. Mit drei Hohlstrahlrohren bringen Maxi (15), Raphael (14), Tim (15), Robert (15) und ihre Mitstreiter die Lage unter Kontrolle. Das Löschwasser pumpen sie aus dem nahen Düsedieksbach, den sie mit Sandsäcken aufgestaut haben. Das Wetter passt allerdings nicht zum „Drehbuch“: Während der Löscharbeiten geht ein kräftiger Regenschauer nieder. Unterdessen wird die restliche Mannschaft, die in der „Feuerwache“ zurückgeblieben ist, zu einem medizinischen Notfall gerufen. Gruppenführer Bennett (13) und seine Leute steigen den Glockenturm der Versöhnungskirche hinauf, wo sie den Verletzten bzw. die Übungspuppe finden. Lea Rahn und Tim Henke – beide absolvieren zurzeit ihre Notfallsanitäter/innen-Ausbildung bei der Feuerwehr Herford – sind mit einem Rettungswagen schnell vor Ort und übernehmen die Versorgung des „Patienten“.
(v.l.) Lea Rahn und Tim Henke vom Rettungsdienst Herford versorgen einen Patienten, der im Glockenturm der Versöhnungskirche gestürzt ist.
„Ein Brandstifter, der an der Grundschule Regenbogen sein Unwesen treibt, sorgt für einen Großbrand“, so beschreibt Jugendwart Diekmann die Ausgangslage für das nächste Übungsszenario. Die Leitstelle löst gegen 16 Uhr Großalarm aus, nachdem in dem Schulgebäude am Alten Kirchweg an drei Stellen gleichzeitig Feuer ausgebrochen ist. Alle verfügbaren Kräfte der „Wache Schweicheln-Bermbeck“ rücken sofort aus. Verstärkung kommt von den Jugendfeuerwehren Hiddenhausen-Eilshausen und Vlotho. Feuerwehrmann Felix Beckmann, einer der Statisten, steht mit rußgeschwärztem Gesicht an einem Fenster oberhalb des Haupteingangs, während im Hintergrund viel künstlicher Rauch zu sehen ist. Er wird mit dem Korb der Drehleiter in Sicherheit gebracht und anschließend von den Notfallsanitäter-Azubis aus Herford versorgt. Die Eltern und Geschwister der Jugendlichen mimen weitere Betroffene. Sie werden von den Lösch- und Rettungstrupps nach und nach aus dem Gebäude geführt. Einem Vater ist der Weg durch das Treppenhaus versperrt. Er wird vom Angriffstrupp mit einer Leine gesichert und über die vierteilige Steckleiter nach unten geführt. Haylie (12) und Lenny (14) von der Jugendfeuerwehr Vlotho übernehmen derweil die Brandbekämpfung aus der Luft. Gemeinsam mit Feuerwehrmann Thomas Rainey haben sie das Wenderohr der Drehleiter in Stellung gebracht, aus dem jetzt das Wasser schießt. Am Ende ist Einsatzleiter Dustin Diekmann, der zuvor „MANV 10“ (Massenanfall von bis zu zehn Verletzten oder Erkrankten) ausgelöst hat, zufrieden. „Alle Vermissten wurden gerettet!“ Jetzt steht für die 70 Beteiligten ein gemeinsames Abendessen auf dem Programm.
Statist Felix Beckmann wird mit dem Korb der Drehleiter aus dem „brennenden“ Schulgebäude gerettet.
Die Lösch- und Rettungstrupps begleiten die betroffenen Personen nach draußen.
Ein brennendes Holzhäuschen fordert den vollen Einsatz der Jugendfeuerwehr.
Gegen 23 Uhr wird es für die Anwohner Am Kartel noch einmal unruhig. Mehrere Einsatzfahrzeuge fahren mit Blaulicht und Martinshorn die Straße hinunter. Auf dem Schützenplatz steht ein Holzhäuschen lichterloh in Flammen. Das haben die Betreuer zuvor aus Holzresten zusammengezimmert und mit Stroh gefüllt. Die Jugendlichen bringen insgesamt sieben Strahlrohre in Stellung, sodass dem Großbrand schlussendlich die Energie ausgeht. Erst jetzt können die Jungfeuerwehrleute ihr Nachtquartier in der „Feuerwache“ beziehen. Während der Nachtstunden bleibt es gottlob ruhig. Erst am Morgen ist die Wachabteilung bei einem ABC-Einsatz noch einmal gefordert. Aus einem leckgeschlagenen Fass läuft eine „grüne Flüssigkeit“. Der Nachwuchs dichtet das Gebinde mit Holzpflöcken ab und pumpt den Inhalt mit einer Handmembranpumpe in ein Ersatzgefäß. Nach dem Frühstück geht der Berufsfeuerwehrtag 2026 zu Ende. Das war eine aufregende, aber auch anstrengende 24-Stundenschicht, sagt Jona (15), der seine rote Gruppenführerweste nun bei Seite legt.
Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)
Gruppenfoto vor der „Feuerwache“ Schweicheln-Bermbeck
Nino gibt seiner Mannschaft den Einsatzbefehl.
Mit Schaufeln und Hacken wird ein verschütteter Mann befreit.
Flächenbrand am Bünder Fußweg
Aus dem Glockenturm der Versöhnungskirche Schweicheln wird ein verletzter „Mann“ gerettet.

Übungsvorbereitungen
Drehleitereinsatz an der Grundschule Regenbogen
Einsatzauftrag für die Gruppe vom Löschgruppenfahrzeug 10
Die Mannschaft vom Mittleren Löschfahrzeug aus Vlotho macht sich bereit.
Für Haylie und Lenny von der Jugendfeuerwehr Vlotho geht es im Korb der Drehleiter nach oben.
Die Jugendfeuerwehr Vlotho ist zur Verstärkung angerückt.
Gruppenfoto der beteiligten Jugendfeuerwehren
Auf dem Schützenplatz steht ein Holzhäuschen lichterloh in Flammen.




