Gemeinsame Übung von Rettungsdienst Herford und Feuerwehr Hiddenhausen
Hiddenhausen/Herford. Beim Küchenmöbelhersteller Eggersmann an der Herforder Straße in Hiddenhausen ist es Dienstagabend (15.09.2026) zu einer Verpuffung gekommen. Drei Mitarbeiterinnen des Unternehmens sind verletzt worden. So lautete die Ausgangslage für eine Übung, an der zahlreiche Retter teilnahmen. Im Mittelpunkt standen dabei sechs Azubis des Rettungsdienstes der Stadt Herford, die zurzeit ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter bzw. zur Notfallsanitäterin absolvieren. Sie sammelten gemeinsam mit den Aktiven des Löschzugs Schweicheln-Bermbeck wichtige Erfahrungen für den Einsatzalltag.
„Gegen 19.30 Uhr befindet sich ein Großteil der Eggersmann-Belegschaft längst im wohlverdienten Feierabend“, erläutert Übungsleiter Torge Brüning die Anfangssituation. Lediglich drei Mitarbeitende seien noch in der Lackierabteilung beschäftigt, um einen eiligen Auftrag zu erledigen. Plötzlich, so das angenommene Szenario, entzünden sich die Lackdämpfe und es kommt zur Verpuffung. Am nahen Gerätehaus warten die Rettungsdienst-Mitarbeitenden und Feuerwehrleute zur gleichen Zeit bereits auf ihren Einsatz. Doch was genau passiert ist, davon ahnen sie noch nichts. Das ändert sich schlagartig: Um 19.35 Uhr löst die Leitstelle unter dem Stichwort „Feuer allgemein Stufe 2 – MIG (Menschenleben in Gefahr)“ Alarm aus. Zwei Minuten später ist der erste Rettungswagen auch schon vor Ort. Clemens Kramer (20) und Simeon Wall (20) bilden die Besatzung des ersteintreffenden Rettungsmittels (eeRM). Die beiden Notfallsanitäter-Azubis – die gerade ihr zweites Lehrjahr begonnen haben - versuchen sich einen Überblick zu verschaffen. Sie laufen mit ihren Notfallrucksäcken zu einer Tür, die von der Bahnhofstraße aus in die Produktionshalle führt. Dort finden Sie eine Eggersmann-Mitarbeiterin, dargestellt von einer Statistin, die mit rußgeschwärztem Gesicht am Boden liegt. Die junge Frau hat sich offensichtlich eine schwere Rauchgasvergiftung (Rauchgasintoxikation) zugezogen.

Beim Küchenmöbelhersteller Eggersmann ist es zu einer Verpuffung gekommen.
Mehrere Mitarbeitende sind verletzt. Glücklicherweise handelt es sich nur um eine Übung.
Feuerwehrleute bringen eine junge Frau mit einem Rettungstuch in Sicherheit.
Notfallsanitäter-Azubis vom Rettungsdienst Herford übernehmen anschließend die medizinische Erstversorgung.
Zusammenarbeit trainiert
Aus der Halle sind Hilferufe zu hören. Rauch und Feuer, die das Drehbuch vorsehen, verhindern allerdings, dass der Rettungsdienst in das Gebäudeinnere vordringen kann. Stattdessen rufen die angehenden Notfallsanitäter umgehend Verstärkung herbei. Kurz darauf ist die Mannschaft des ersten Hilfeleistungslöschfahrzeugs zur Stelle. Marco Elmers übernimmt die Einsatzleitung. „Die Menschenrettung hat jetzt oberste Priorität“, sagt der Feuerwehrmann. Ein Trupp, ausgerüstet mit Atemschutzgeräten, Hohlstrahlrohr und Wärmebildkamera, rückt in das Gebäude vor. Schon nach kurzer Zeit werden die beiden Feuerwehrleute fündig. Auf dem Gang liegt eine weitere Person. „Sie ist auf der Flucht gestürzt und hat sich Arm und Bein gebrochen“, so die Anweisungen des Übungsleiters. Im Nu wird die junge Frau von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht. „Von einer dritten Person, die sich zum Unglückszeitpunkt im Gebäude aufgehalten hat, fehlt weiterhin jede Spur“, sagt Einsatzleiter Elmers. Weitere Feuerwehrleute haben sich mit Atemschutzgeräten ausgerüstet und suchen nach ihr.
Vor der Halle läuft währenddessen die medizinische Erstversorgung der beiden Patientinnen. Alina Inhoven (22), Janine Musche (24), Nadine Deutsch (23) und Kevin Nguyen (24) unterstützen die Besatzung des ersteintreffenden Rettungsmittels. Die angehenden Notfallsanitäter/innen wenden das sogenannte ABCDE-Schema an. Sie prüfen zunächst die Atemwege (A wie Airway), kontrollieren dann nacheinander die Atemfrequenz (B wie Breathing), den Kreislauf (C wie Circulation) und neurologischen Zustand (D wie Disability). Schließlich stellen sie noch fest, ob weitere Verletzungen, wie etwa Knochenbrüche, vorliegen (E wie Exposure). Die Sicherung der Atemwege, Einleitung einer Schmerztherapie und das Anlegen von Vakuumschienen zählen zu den weiteren Maßnahmen, um den Gesundheitszustand der Frauen zu stabilisieren. Iris Antonowitsch, Niko Dürkopp und Hendrik Geesmann, drei erfahrene Notfallsanitäter/innen der Feuerwehr Herford, behalten die Situation als Praxisanleiter/innen im Blick. Schließlich wird die dritte Frau von den Einsatzkräften mit Hilfe der Wärmebildkamera in der Lackierkabine aufgefunden. Vier Feuerwehrleute tragen sie mit einem Rettungstuch nach draußen. Noch einmal müssen die Azubis ihr komplettes medizinisches Wissen unter Beweis stellen. Die Patientin ist bewusstlos und hat Verbrennungen am Oberkörper und den Beinen davongetragen. Glücklicherweise bestehen ihre Verletzungen nur aus Theaterschminke.
Herausforderung gestellt
Dr. Steffen Grautoff, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst beim Kreis Herford, der als Beobachter an der Übung teilgenommen hat, findet anschließend lobende Worte für die Notfallsanitäter-Azubis. „Ihr habt Euch einer großen Herausforderung gestellt.“ Insgesamt habe die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr gut geklappt, meint der Notfallmediziner. Wichtig sei vor allem, dass man durch solche Übungen das Verständnis füreinander verbessere. Die Einsatzkräfte selber zeigen sich ebenfalls zufrieden. „Wir konnten viele neue Erfahrungen sammeln“, so Auszubildende Nadine Deutsch vom Rettungsdienst der Stadt Herford.
Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)

Sechs Notfallsanitäter-Azubis trainieren an diesem Abend zusammen mit der Feuerwehr. Dr. Steffen Grautoff (r) zählt zu den Übungsbeobachtern.
Übungsleiter Torge Brüning (l) gibt vorab nur wenige Details bekannt.


Die Statisten bringen sich in Position.








Einsatzleiter Marco Elmers (r) u. Führungsassistent Jan Hendrik Pieper studieren den Feuerwehrplan,
um dem Angriffstrupp nützliche Hinweise zu geben.














Hinweis: Es handelt sich um eine Statistin.

Hinweis: Die verletzte Person wird von einer Statistin dargestellt.

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